Dialoge 2026 / Dialog 2

2000 pounds of light

Björn Drenkwitz — Mathias Kessler4. September – 23. Oktober 2026
Björn Drenkwitz, Past and Future Forest, seit 2022, Cyanotypie
Björn Drenkwitz, Past and Future Forest, seit 2022, Cyanotypie
Mathias Kessler, Ilulissat 011_3, 2007/2022, auf ortsspezifischer Eistapete
Mathias Kessler, Ilulissat 011_3, 2007/2022, auf ortsspezifischer Eistapete

Ausstellung

Der Raum ist in zwei Hälften geteilt, und die Teilung verläuft nicht zwischen zwei Themen, sondern zwischen zwei Verhältnissen zum Licht.

Björn Drenkwitz braucht die Sonne. Seine Cyanotypien entstehen aus nichts als Sonnenlicht und Wasser, genau den beiden Kräften, deren Verschiebung die Bäume getötet hat, die sie zeigen. Past and Future Forest, seit 2022: abgestorbene Bäume aus europäischen Wäldern, gefallen an Dürre, Brand, Windwurf und Borkenkäfer. Kein Abbild, sondern ein Abdruck; ein Unikat, das seinen Gegenstand berührt hat. Die Bahnen sind 240 cm breit, ihre Länge richtet sich nach dem Baum. Sie hängen nicht an der Wand, sie fallen von ihr herab und laufen auf dem Boden aus.

Mathias Kessler hat die Sonne ersetzt. 2007 ließ er rund eine Tonne Ausrüstung (2.000 Pfund) an die grönländische Westküste fliegen und fotografierte vor dem Jakobshavn-Gletscher bei Ilulissat: nachts, mit Filmscheinwerfern, den Eisberg ausgeleuchtet wie ein Set. Das Ergebnis ist ein gleißender Körper vor absolutem Schwarz, in einer Schärfe, die die klassischen Forderungen an die perfekte Landschaft erfüllt und sie damit als Inszenierung kenntlich macht.

Kesslers Wand ist vollständig mit Eis bedeckt: ein enger Ausschnitt aus der Flanke eines Eisbergs, 560 × 240 cm als Tapete gedruckt, ohne Horizont, ohne Wasser, ohne Silhouette. Darauf hängt ein einziges Werk, Ilulissat 011_3. Es ist die einzige Stelle im Raum, an der das Eis noch ein Bild ist.

Damit stehen sich zwei Herstellungsweisen gegenüber: Sonne gegen Scheinwerfer, Abdruck gegen Rendering, Unikat gegen Endlosmuster. Bei Drenkwitz folgt das Format dem Objekt, bei Kessler dem Bauwerk. Und beide Arbeiten sind Teil dessen, wovon sie sprechen. Drenkwitz braucht das Licht, das seine Bäume verbrannt hat. Kessler hat Treibstoff verbrannt, um Eis zu beleuchten, das durch verbrannten Treibstoff schmilzt. Die Frage, die den Dialog trägt: Kann ein Bild von einem Verlust Zeugnis ablegen, an dem es selbst beteiligt ist?

Da die beiden Arbeiten einander gegenüberhängen, sieht man nie beide zugleich. Der Dialog entsteht im Umdrehen.

Ilulissat 011_3 auf der Tapete (Ausschnitt aus Ilulissat 010)
Ilulissat 011_3 auf der Tapete (Ausschnitt aus Ilulissat 010)
Ausstellungsansicht mit Besucher:innen
Ausstellungsansicht mit Besucher:innen

Werkangaben

  • Björn Drenkwitz, Past and Future Forest, seit 2022, Cyanotypie, 240 cm breit, Länge variabel
  • Mathias Kessler, Ilulissat 011_3, Grönland 2007, 2007/2022, Digital C-Print hinter entspiegeltem Galerieplexiglas, 80 × 160 cm, Ed. 3/6
  • Mathias Kessler, ohne Titel (Ausschnitt aus Ilulissat 010, Grönland 2007), Digitaldrucktapete, 560 × 240 cm, ortsspezifisch, ohne Auflage

Fakten

Eröffnung
Freitag, 4. September 2026, 18 Uhr
Gallery Weekend
Samstag 5. und Sonntag 6. September 2026, 11–18 Uhr
Künstlergespräch
Samstag, 24. Oktober 2026, 17 Uhr. Vortrag Dr. habil. Stephanie Hänsel (Deutscher Wetterdienst): „Klimawandel: Was sehen wir bereits und was erwartet uns noch?“, anschließend Gespräch mit Björn Drenkwitz und Mathias Kessler
Ort
Pi (π) Art Project, Lange Straße 31, 1. OG, 60311 Frankfurt am Main. Zugang über die Galerie Heike Strelow

Künstler:innen

Björn Drenkwitz

(*1978) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Seine konzeptuellen Arbeiten verhandeln Klimakatastrophe, Feuer und die visuellen Spuren ökologischer Zerstörung, zuletzt in den Ausstellungszusammenhängen Red Rain und Aus-Zeit. Vertreten von der Galerie Heike Strelow. Seit 2025 Ko-Kurator von Pi (π) Art Project.

Mathias Kessler

(*1968, Österreich) arbeitet mit Fotografie, Installation und digitalen Medien an einer Kritik des romantischen Naturbilds. MFA, School of Visual Arts, New York. Ausstellungen u. a. Kunsthal Rotterdam, Kunsthaus Graz, Kirchner Museum Davos, Columbus Museum of Art und ERES-Stiftung München. Lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und New York. Gründer von Pi (π) Art Project.

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